ATME WEITER

2. Fassung

Dunkelheit und nicht ein Fetzen
Lichtes, der noch zu dir dringt.
Mühen wohl, doch kein Versetzen,
das dich näher zu ihm bringt.

Weißt nicht, ob es je gewesen,
ahnest kaum die Möglichkeit.
Spuren kannst du keine lesen,
und das Auge sieht nicht weit.

Weißt nicht, ob du vorwärts ’gangen,
keine Richtung gibt sich kund.
Greifend ist kein Griff zu ’langen,
und der Schritt trifft keinen Grund.

Kann man etwas recht vermissen,
das noch nie Erlebnis war?
Zielt der Geist auf altes Wissen?
Gibt er sich ein Schauspiel dar?

Kann man sich nach etwas sehnen,
das leibhaftig nie gefühlt.
Mag der Sinn prophetisch wähnen?
Schenkt er sich ein tröstend’ Bild?

Hoffnung, Hoffnung, Rätsels Gährung,
stirbt schon ewig, stirbt nicht schnell:
„Atme“, mahnt sie zur Belehrung,
„morgen, morgen wird es hell.“

Hoffnung kann kein Schmerz erfassen,
ungeliebt und ungewollt,
fordert sie, um’s nicht zu lassen:
„Atme, weil es schlicht gesollt!“
 

Dunkelheit und keine Quelle,
eine Zuflucht dir verspricht.
Regung nur für alle Fälle,
für die bloße Chance auf Licht.


Gerald Grundmann