BUNKER-BLUES

Vorlage:
„Folsom Prison Blues“ – Johnny Cash



Es poltert über Gleise. Ich hör’, der Zug ist nah.
Wie lange mag es her sein, dass ich ihn wirklich sah?
Ich sitze ein im Bunker, die Zeit scheint stillzustehn.
Der Zug fährt schnell vorüber und lässt die Pfeife gehn.

Als ich ein kleiner Bub war, sprach Mama ernst zu mir:
„Sei stets ein lieber Junge und lass die Waffen hier!“
Doch ich schoss die fiese Type, nur um sie tot zu sehn.
Ich fühle keine Reue und hör’ die Pfeife gehn.

Im Zug sind reiche Leute, genauso reich wie dumm.
Es gibt ein gutes Essen, Zigarren, Kaviar, Rum.
Ich kannte die Gesetze, ich hab’ es kommen sehn.
Ich werde nie mehr frei sein und hör’ die Pfeife gehn.

Doch bin ich einst entschwunden von hier und dieser Welt,
dann bremst mich keine Fessel und nichts, was sonst mich hält.
Ich steige mit dem Zug auf bis in die höchsten Höhn.
Dort zieh’ ich meine Kreise und lass die Pfeife gehn.



Gerald Grundmann