DAS FÜNFTE RAD


Noch eben lebt das fünfte Rad am Wagen.
Verzweiflung reicht zum Sterben selbst nicht hin.
Mit schreiendem Gemüt, doch ohne Klagen
ersehnt es sich den einzigen Gewinn.

Es stumpft den Sinn, das schlimmste Los auf Erden,
nur unbedachter Überfluss zu sein.
Der Wunschtraum selbst, doch einst geliebt zu werden,
stellt kaum als blasser Schatten sich noch ein.

Doch immer kommt der Tag, da soll es walten:
Als wär’ es all der Zeiten später Lohn,
ist nur mit ihm der Wagen noch zu halten,
denn Nummer Vier ging ohne Wort davon.

Nun sind die Töne lieblich, und es ranken
sich alle um das Fünfte säuselnd her:
„Wie ungerecht war’s doch, wir woll’n dir danken!
Vergib uns, denn wir brauchen dich doch sehr!“

Ein Werk, das im Bedarfsfall schnell verrichtet,
erst zuverlässig wirkt, dann vorbildlich
die Hoffnung, die noch keimte, ganz vernichtet,
denn eine neue Vier, die findet sich.

So stirbt es fort, das fünfte Rad am Wagen,
mit jedem Tag ein bisschen und lebt doch.
Um länger seine Lehre nicht zu tragen,
verspürt es sich schon selbst nur eben noch.



Gerald Grundmann

© 2015 by Gerald Grundmann

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