DER SCHATTENMANN


Du siehst mich nicht, ich leb’ in deinem Schatten.
Dein Blick schweift suchend nur im Rest der Welt.
Wenn du nicht wagst, sein Licht mir zu verstatten,
hab’ ich mich in den Rücken dir gestellt.

Nun sieh sie an, die leuchtenden Gestalten,
die aufgeputzt, in prahlerischem Tanz
stets achten, dir die Hüllen zu bereiten,
die nichts verbergen, nie verbargen mehr.


Du aber kannst den Blick zurück nicht halten,
nur maskenhaft missfällt dir jeder Glanz,
willst wachsam auf dem letzten Grunde schreiten
und siehst dich wie am ersten Tage leer.

So arm sie sind, so blind ist ihr Erleben,
dem schlichter Schein zum Glücke schon genug.
Wohl kundig, deine erste Haut zu pflegen,
bleibt ihnen, was nicht offen steht, gebannt.


Du aber musst den ernsten Blick erstreben,
des Frage scheut den bloßen Überflug,
auch tiefste Schichten sucht noch freizulegen,
und siehst dich drum noch immer unerkannt.

So starrst du fort und wirst dich niemals wenden
dem Allvertrauten zu, dem Schattenmann.
Wo du mich hältst, vermagst du nicht zu blenden:
Du siehst mich nicht, ich seh’ dich weiter an.



Gerald Grundmann

© 2015 by Gerald Grundmann

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