DER WEIHNACHTSMANN

Solostück

Aaufgeführt am 12. Dezember 2001
vor der Klasse 4b
an der 100. Grundschule Leipzig

 


1. BEGRÜßUNG


Auftrittslied nach „Adeste fidelis“:
Nun freut euch, ihr Kinder, singet Jubellieder
und schauet und schauet den Weihnachtsmann!
Er kommt von weit her nur für euch hernieder.
Drum wollen wir ihn loben,
drum wollen wir ihn loben,
drum wollen wir ihn loben, den Weihnachtsmann.

Vor allen stehend:
Seid wohlgemut, da ist er ja,
der Mann, der jedermanns Begehr.
Der einzig wahre, er ist da:
Der Weihnachtsmann – und freut sich sehr.

Ich grüße euch, Kinder und Kindeskinder,
ich grüße auch die vielen lieben Gäste,
die Omis, die Opis, die Freunde nicht minder.
So feiern wir alle gemeinsam ein Feste.

Sagt, habt ihr schon ohne mich angefangen?
Ich hörte von Weitem schon liebliches Klingen,
und als ich im Geiste noch näher gegangen,
geübte Stimmen im Chorus singen.

Nun ja, es sei euch unbenommen.
Dem Weihnachtsmann entgeht nichts, wenn er will.
Es ist ihm unterwegs schon gut bekommen.
Da war es nicht so einsam und so still.

Doch war ja der Spaß für die Eltern gedacht.
Drum muss ich es wissen von allen:
Zu den Eltern:
Hat euch denn der Abend auch Freude gemacht?
Sagt lauthals: Hat’s euch gefallen?

Und auch alle Kinder, die will ich das fragen:
Zu den Kindern:
Ist Singen und Spielen euch bestens geglückt?
Fühlt ihr nun ein tiefes und innig’ Behagen,
und seid ihr zufrieden mit euch, hoch vergnügt?​

2. PRÜFUNG


Nun, da ich schon einmal aufs Thema gekommen,
will ich hier doch gleich noch was Ähnliches wissen:
Ich hoffe, es wird mir nicht übel genommen.
Ein Weihnachtsmann darf solche Fragen nicht missen.

Seid ihr auch im letzten Jahr artig gewesen?
Und seid ihr zur Antwort mir eilig bereit?
Zwar kann ich es auch in den Augen euch lesen,
doch will ich, dass ihr zu euch ehrlich seid.

Was höre ich nunmehr für Stimmengewitter?
Was strömen so viele Gedanken heran?
Die Miene wird heiter, die Miene wird bitter.
Ich höre ein „Hier!“ und ein „Schau mich nicht an!“

Ich werde jetzt nicht jeden einzeln befragen
und euch hier nicht ewiglich quälen und testen.
Ihr selber könnt Stärken und Schwächen euch sagen
und kennt sie gewiss von uns allen am besten.

Nur ihr könnt euch selbst euer Leben gestalten.
Ihr seid, wie man sagt, euer eigener König.
Wenn ihr es nicht anstrebt, tief in euch zu walten,
so helfen auch ich und die Eltern euch wenig.

Doch wenn ihr es habt, dieses eigene Streben,
dann bin ich hier wahr und tatsächlich am Orte.
Dann kann ich gewiss manchen Rat euch noch geben,
und nützlich und sinnvoll sind dann meine Worte.

Sie wirken grad so wie die Mutter beim Kinde:
Das Kleine krallt suchend die Hand bei ihr ein.
Sie stützt es ganz sacht, und so lernt es geschwinde.
Doch laufen, ja laufen, das muss es allein.

Ach ja, und da wär’ noch das andere Leiden,
das Weihnachtsmanns Leben schon immer besessen:
Mit Seitenblick zum Veranstalter:
Er muss sich mit wenigen Worten bescheiden.
Die Zeit wird ihm immer so kärglich bemessen.

Drum muss ich erneut auf die Elternschaft hoffen,
auf dass sie mich würdig vertreten mag.
Mit wachsamem Geist und die Augen stets offen,
bis wir uns hier sehen am weihnachtlich’ Tag.

Ich kann dies hier nur in Erinnerung bringen,
denn heute nur hab’ ich Gelegenheit.
Im restlichen Jahr muss es euch dann gelingen,
euch allen, die ihr hier beisammen seid.

3. WEIHNACHTSMANNALLTAG


So sagt, darf die Bitte gewähret mir sein:
Darf ich zwischen euch Kinder mich setzen?
Dann rede ich nicht so von oben herein,
und gewiss wird es euch auch ergetzen.

Sich zwischen die Kinder setzend:
Denn, wisst ihr, nach dieser ganz kleinen Ermahnung
steht jetzt auch ein wenig Entspannung uns an.
Sagt Kinder, habt ihr denn schon selbst eine Ahnung,
wie er eigentlich lebt, unser Weihnachtsmann?

Ich komme von droben, vom nördlichsten Norden,
von dort, wo die Erde als Kappe zugeht,
wo Eise und Schnee sich im Kampf überborden,
und eisiger Wind ganz erbarmungslos weht.

Ich habe dort oben mein Lager geschlagen,
weil dort ich so friedvoll und ungestört bin.
Ein Mensch, wie er ist, kann sich dorthin nicht wagen.
Ich sag’ euch, da kommt mir so bald keiner hin.

Dort kann ich in Ruhe mein Tagwerk bereiten
für die Zeit, die wahrlich von allen die beste.
Ich schaffe das Jahr, und ich schaffe bei Zeiten,
damit es gelinge, das schönste der Feste.

Ich brüte sehr lang’ über schönen Geschenken,
muss Wunschzettel lesen und Antworten schreiben,
Termine abmachen, den Zeitplan bedenken,
und selbst, wenn es eng wird, auch heiter noch bleiben.

Doch geht es mal los, ist die Müh’ schnell vergessen,
das Jahr, das ich für diese Zeit nur gespart.
Dann heißt es mit Schwung auf den Schlitten gesessen,
und ab geht’s auf große, auf festliche Fahrt.

Die Welt ist geschmückt dann, es blinken die Lichter.
Die Menschheit erwartet mit Spannung mich schon.
Und seh’ ich die Kinder, die frohen Gesichter,
dann ist das für mich stets der süßeste Lohn.

Doch will ich auch hier all die Helfer erwähnen,
ohne die so ein Fest gar nicht möglich wär’.
Die stehen mir bei stets mit glühendem Sehnen,
und tun es auch dann, wenn die Arbeit mal schwer.

So sind, nur zum Beispiel, Gesellen da droben.
Die packen und wuseln so unglaublich schnelle.
Und auch all die Eltern, die muss ich mal loben.
Sie sind, wie ich sag’, meine Außendienststelle.

Durch sie ist es möglich, die Zeit zu gewinnen,
auch neue und üppige Pläne zu machen.
Ich kann über großen Ideen nachsinnen,
damit daraus werden phantastische Sachen.

Zum Beispiel heut Abend zu euch hier zu kommen
und euch dieses Fest ganz besonders zu richten.
Sehr deutlich zu allen sprechend, um ein Lob zu heischen:
So habe ich extra die Zeit mir genommen,
um das, was ich sage, vortrefflich zu dichten.

4. ZUKUNFT


Nun rutscht mir schon mancher gespannt auf der Stelle
und fragt sich: „Kann der sich nicht etwas beeilen?“
Geduld, denn ich möchte an wichtiger Schwelle
noch einen Gedanken mit euch hier nun teilen.

Ich weiß nämlich von jenen schwierigen Zeiten,
in denen ihr alle euch grade befindet.
Die Zukunft, es gilt, sie schon früh zu bereiten.
Mit deutlichen Zeichen sie schon von sich kündet.

Die Zeit, sie scheint oft ein gefräßiges Tier:
Sie schreckt uns und scheucht uns in all unsern Tagen.
Und niemals entgehn wir der maßlosen Gier.
Sie scheint uns im Leben nur ständig zu plagen.

Und schaut man danach, was begehrt sie zu kriegen,
so sind es die schönen, die sonnigen Stunden.
Die schlechten, die düstren, die lässt sie uns liegen.
Sie nimmt uns das Glück, und wir bleiben geschunden.

Doch wenn ihr sie einmal genauer betrachtet,
dann kann sie tatsächlich ein Freund für euch werden,
der euch dran erinnert und stets darauf achtet,
dass ihr ihn mit euch nicht allein lasst auf Erden.

Sie mahnt, dass ein jeglicher Augenblick sei
mit Sinn und mit Nutzen gefüllet, ganz dicht,
dass ihr immer aufpasst und auswählt dabei,
was als wichtig euch fortbringt und was eher nicht.

Habt ihr sie im letzten Jahr glücklich verwendet,
wenn ihr es für euch ganz im Stillen bedenkt?
Oder doch schon des Öft’ren ganz munter verschwendet
und euch hier und da trefflich abgelenkt?

Zerstreuung, die kann man euch niemals verwehren,
und Freude ist niemals und nimmer verboten.
Und wenn einer kommt, um euch Trübsal zu lehren,
so schickt ihn nur fort, diesen finsteren Boten.

Doch klug ist stets der, der das Maß gut erkennt
und niemals bei sich dieses eine vergisst:
Wer einmal zuviel seine Chancen verpennt,
der plötzlich im Leben sie schmerzlich vermisst.

Drum rafft und beratet euch immer in Zeiten
und haltet euch nicht, wenn’s drauf ankommt, zurück!
Seid mutig und lasst euch den Weg nicht bestreiten!
Ein jeder baut schließlich sich selber sein Glück.

Ich hoffe, ihr habt grad’ in hiesigem Jahr
erreicht, was ihr alle euch vor habt genommen,
und was da an Hürden und Klippen auch war
mit Schwung und mit Eifer beherzt stets erklommen.

Wenn nicht, dann hört zu: Es ist niemals zu spät!
Die Zukunft steht heute noch lange nicht fest.
Nur Schuld hat, wer weiter nicht vorwärts mehr geht,
und träge und mutlos sich hängen nur lässt.

5. GESCHENKÜBERGABE


Ihr müsst mir versprechen, dass ihr das nie tut!
Ich komme sonst niemals und nimmer mehr wieder!
Das fällt mit zwar schwer und dann kocht mir das Blut,
doch dann gibt’s keine Päckchen und Lieder.

Ach, apropos Päckchen, ihr merkt, wie ich’s mache:
Ihr meintet, ich hätte es nicht mehr bedacht.
Doch seid nur besänftigt, wir kommen zur Sache.
Ich hab’ euch doch allen was mitgebracht.

Seinen Jutesack nehmend:
Hier drin ist für jeden ein Päckchen gespendet.
Die Eltern, sie denken, sie hätten’s getan.
In Wahrheit hab’ ich es ins Schränkchen gesendet,
damit sie es sehen als ihres an. Lacht.

Nur für die Originalaufführung unverändert zu belassen,
da auf eine vorherige Klassenfahrt bezugnehmend:

Dazu kommt für jeden ein sehr hübsches Mäppchen
mit Reiterhofbildern: Da, schaut euch das an!
Und dann ein zwar äußerlich unscheinbar’ Päppchen,
darauf stehen die Grüße vom Weihnachtsmann.

Die Pakete nacheinander aus dem Sack nehmend und dabei jeweils den Vers vortragend,
der vorher mit dem „Päppchen“ dort aufgeklebt wurde:


S. B.:
Von Dir, liebes Kind, hör ich alle nur sagen,
dass Du immer freundlich und höflich bist.
Die Schule hat sonst keinen Anlass zu klagen,
es sei denn, dass Du sie gerade vergisst.

C. F.:
Was in Dir hier so alles an Kräften sich regt,
ist wirklich nicht einfach zu fassen.
Doch nutzt Du sie manchmal zu unüberlegt
und etwas sich selbst überlassen.

S. H.:
Die Tugend in Dir, sie heißt Phantasie.
Mit ihr kannst Du Welten durchwandern.
Doch manches Mal, leider, da nutzest Du sie
als Waffe auch gegen die andern.

A. H.:
Du bist ein sehr lebhafter Wirbelwind,
der hier ist und da ist und dies tut und das.
Doch lenke es gut, dieses himmlische Kind,
damit es nicht endet im Wasserglas.

S. H.:
Wenn einer zu Dir kommt, sich lauthals beklagt:
„Die Ordnung ist immer die Hälfte im Leben.“
Da denkst Du Dir einfach: „Na, wenn er das sagt,
dann muss es zugleich auch die andere geben.“

N. P.:
Bei Dir mir sofort vor die Augen er springt:
Dein Ehrgeiz, ich kann ihn kaum fassen.
Doch wenn auch mal irgendwas nicht so gelingt,
dann darfst Du den Kopf nicht gleich hängen lassen.

K. R.:
Dein freundliches Wesen stünd’ jedem zu Ehren.
Die Schule weiß Dich nicht zu tadeln.
Doch will ich Dich auch mit dem Rat noch beschweren:
Ein wenig mehr Feuer, das würde Dich adeln.

L. V.:
Dein trefflichster Ort scheint zu sein mir die Bühne.
Beim Auftritt gibst Leib und auch Seele Du hin.
Vielleicht ist es dreist, wenn den Tipp ich erkühne,
vielleicht aber wirst Du auch Schauspielerin.

T. M. H.:
Du würdest bestimmt gerne fliegen können.
Im Geiste, da tust Du’s ja schon.
Die Lehrerin möchte euch Aufgaben nennen,
doch Du bist im Fluge schon auf und davon.

S. H.:
Du bist immer fleißig bei Klassenaufgaben
und Diensten in Stundenpausen.
Doch das Zeug für zu Hause, das kannst Du nicht haben
und lässt es drum gerne mal sausen.

R. K.:
Für Dich war die Schule besonders und schwierig.
Du hast sie des Öfteren wechseln müssen.
Geschafft hast Du’s doch, denn Du warst sehr begierig,
und hast es am Fleiß niemals fehlen lassen.

A. P.:
Ich sehe ein Muster an Einsatzbereitschaft.
Auch Sauberkeit liegt Dir am Herzen.
Und ist einer dusslig und pöbelhaft,
so kann er’s bei Dir nur verscherzen.

A. J.:
Auch Du bist ein ziemliches Schauspieltalent
und fühlst Dich sehr gut in die Rollen hinein.
Dort zeigt sich Dein wirkliches Temperament.
Vielleicht wirst Du irgendwann Hamlet sein.

R. K.:
Ich sehe hier eins jener stillen Gewässer,
das ganz mit bedächtiger Schnelle sich regt.
Du hast völlig Recht, diese Ruhe ist besser
als üppige Kraft, die sich sinnlos bewegt.

M. R.:
Die Bereitschaft zu helfen erhebt Dich zum Freund,
und Du weißt eine Freundschaft zu schätzen.
Doch wenn es ein andrer nicht gut mit Dir meint,
so lass’ Dir den Mut nicht vergrätzen.

C. S.:
Ein sehr kluger Kopf, der da auf Dir sitzt,
der kann knifflige Aufgabe knacken.
Doch so wie Dein Blick mir entgegen hier blitzt,
hast Du sicher den Schalk noch im Nacken.

C. W.:
Du magst es, verkleidet als Lämmchen zu gehen,
wenn Wächter sind pünktlich zur Stelle.
Doch wehe, wenn sie einmal nicht mehr zu sehen,
dann lässt Du den Wolf aus dem Felle.

M. W.:
Du bist gern dabei, wenn was ausgeheckt wird,
und möchtest den Kitzel nicht missen.
Doch wenn dann die Sache mal aufgedeckt wird,
willst Du von alldem nichts mehr wissen.

W. W.:
Ganz klar kann ich sehn Deinen riesigen Willen,
mit dem Du kannst alles besiegen.
Und kommen Dir wider Erwarten mal Grillen,
so lass’ Dich davon nicht gleich unterkriegen.

H. L.:
Du bist ein wahres Engellein,
wenn man Dich trifft zur rechten Zeit.
Doch solltest Du mal wütend sein,
dann geht man besser schnell beiseit’.

P. K.:
So wie Du mir in die Augen schaust,
scheint mancher Zweifel Dich zu quälen,
ob da auch etwas in Dir steckt.
Doch glaub, es ist nur unentdeckt,
und wenn Du Dir nur selbst vertraust,
vertrau’n Dir auch die andern Seelen.

6. VERABSCHIEDUNG


So, liebe Kinder, das ist es gewesen.
Zumindest für dieses vergehende Jahr.
Ich wünsche euch Freude beim Spielen und Lesen
und allem, was in euren Päckchen war.

Ich hoffe, sie werde euch trefflich gelingen,
die baldige und auch die spätere Zeit.
Sie möge Erfolg und viel Freude euch bringen.
Sie wahre euch gut, sie erspare euch Leid.

Aufstehend und schon halb zu den Eltern:
Dasselbe würd’ gern auch den Eltern ich sagen.
Sie seien besonnen uns stets unbeirrt.
Sie sollen das Leben, wenn’s schwer ist, ertragen
und springen, wenn’s wieder mal leichter wird.

Wieder vor allen stehend:

So grüß’ ich euch, Kinder und Kindeskinder,
und grüße auch die vielen lieben Gäste,
die Omis, die Opis, die Freunde nicht minder.
Wir sehen uns wieder beim kommenden Feste.


Geht ab.

© 2015 by Gerald Grundmann

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