HERR UND SKLAVE


Sprach ein Hälmchen zu dem Baum: „Warum verdorrst du mich?“
Gab der Baum zu ihm zurück: „Weil ich nicht anders kann.
Wärst du Baum und ich der Halm, so tätest du wie ich,
und ich wär’ wie du verzweifelt, fragte dich sodann.

Und das Hälmchen rief hinaus, bevor es niederfiel:
„Kann denn jeder Halm ein Baum und wollte Baum er sein?
Ist zu herrschen Trieb des Lebens wie der der Tod sein Ziel?
Oder sind wir frei zu wählen, löst die Wahl sich ein?

Sprach ein Schäfchen zu dem Wolf: „Warum nur jagst du mich?“
Gab der Wolf zu ihm zurück: „Weil ich nicht anders kann.
Wärst du Wolf und ich das Schaf, so tätest du wie ich,
und ich wär’ wie du verzweifelt, fragte dich sodann.

Und das Schäfchen rief hinaus, bevor es niederfiel:
„Kann denn jedes Schaf ein Wolf und wollte Wolf es sein?
Ist zu herrschen Trieb des Lebens wie der der Tod sein Ziel?
Oder sind wir frei zu wählen, löst die Wahl sich ein?

Sprach ein Sklave zu dem Herrn: „Warum nur schlägst du mich?“
Gab der Herr zu ihm zurück: „Weil ich es eben kann.
Wärst du Herr und ich der Sklave, tätest du wie ich,
und ich wär’ wie du verzweifelt, fragte dich sodann.

Und der Sklave rief hinaus, bevor er niederfiel:
„Kann denn jeder Sklave Herr und wollte Herr er sein?
Ist zu herrschen Trieb des Lebens wie der der Tod sein Ziel?
Oder sind wir frei zu wählen, löst die Wahl sich ein?


Gerald Grundmann

© 2015 by Gerald Grundmann

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