SCHWER MEIN HAUPT


Ich fühle schwer mein Haupt, ich will es ganz zerschlagen!
Wenn dieses Mal noch seine Quelle sprießt
und munter zu dem Bade sich ergießt,
so wird mir merklich leicht, ich muss es nicht mehr tragen.

Nur wahr und gut und schön, und nichts, was sonst ich wollte.
Die Mühe lohnt nur, wenn sie Wesen schaut
und sich zur Selbstbeschauung auferbaut.
Ich fragte nie, was ist, ich fragte, wie es sollte.

Und spürte die Gefahr, um dennoch nicht zu weichen.
Ins Leben der gemachten Welt gestellt,
zu fühlen, wer sie trägt und was sie hält,
und sie im Angesicht vor Schrecken zur erbleichen.

Ich hatt’ es nie geübt, die Augen abzuwenden.
So nicht ein Schmerz, der gleichfalls wurde mein,
und keine Niedrigkeit, die ließ mich sein.
Wer sich nicht schützen kann, der muss alsbald verenden.

Und fand verzweifelt Mut – Ein Toter kann nur siegen. –,
zu schreien, bis die Stimme mir verschwand,
zu streiten, bis der Atem stille stand.
Wenn nichts verbleiben mag, mag ich als Zeichen liegen.

 

Ich fühle schwer mein Haupt, ich will es ganz zerschlagen!
Wenn dieses Mal noch seine Quelle sprießt
und munter zu dem Bade sich ergießt,
so wird mir merklich leicht, ich muss es nicht mehr tragen.

„Nun, Freunde, schaut ihn an, er möchte etwas sagen!
Er wütet, dass es ihm die Augen bricht
und schonet seine Kraft, sein Leben nicht.
Fast rührt er uns schon an, so innig muss er klagen.

Doch lasst uns hier zu ihm mit einer Stimme sprechen:
Du siehst, mein Freund, dass alles, was uns recht,
du aus dem reinsten Herzen findest schlecht,
doch wer an allem krankt, der muss daran zerbrechen.

Wir sind dir weit voraus, wir wirken durch die Zeiten.
Die Einheit, die uns brachte an den Ort,
sie wandelt uns auf sichern Pfaden fort.
Wo du nur finden kannst, dort können wir bereiten.

Drum solche, grad’ wie du, die sind uns sehr erbeten.
Du glaubst, dass sich die ganze Welt verneigt,
vor dem, was dampfend deinem Hirn entsteigt.
Trittst du nicht in sie ein, so wirst du eingetreten.“

Ich fühle schwer mein Haupt, ich will es ganz zerschlagen!
Wenn dieses Mal noch seine Quelle sprießt
und munter zu dem Bade sich ergießt,
so wird mir merklich leicht, ich muss es nicht mehr tragen.


Gerald Grundmann

© 2015 by Gerald Grundmann

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