MARTINA

Der Großen, Der Einzigen, der Unbesiegbaren

in Dankbarkeit und Wertschätzung zugeeignet


Nach England flog ich für das letzte Geld,
um einmal nur, um einmal sie zu sehn,
die Königin auf ihrem Rasenfeld
im heißgeliebten, heilig’ Wimbledon.

Ich weiß von jedem Sieg und großen Spiel,
vernehme jede Silbe, die sie spricht,
erkenne unter Tausend ihren Stil
und sehe jede Regung im Gesicht.

Ist mein Talent auch anders aufgestellt,
so durch und durch vergeistigt, wie ich bin,
hab’ ich doch Menschen kaum auf dieser Welt
verehrt jemals wie diese Spielerin.

Drum, wollte wer mich fragen,
wer wohl unter dem Gestirn
für alle Zeit die klare Nummer eins,
so würde ich ihm sagen,
zweifelnd nicht in Herz noch Hirn:
Es ist Martina, von den Mädchen keins.

 

Genialisch, wie man selten Künstler fand,
mit feiner Hand, die feinem Geist vertraut,
war sie es, die die Gabe erst verband
mit jener Müh’, auf der sie sich erbaut.

Wo Kraft mit solcher Anmut sich bewegt,
Verspieltheit stets das Ziel vor Augen hält
und Angriffslust sich völlig überlegt,
bleibt nichts, was dem Triumph den Weg verstellt.

Weil sie zuerst den letzten Schritt erreicht,
und nur Vollendung heiße dieses Ziel,
ist keine möglich, die ihr jemals gleicht,
der Frau Professor für Bewegungsspiel.

Drum, wollte wer mich fragen,
wer wohl unter dem Gestirn
für alle Zeit die klare Nummer eins,
so würde ich ihm sagen,
zweifelnd nicht in Herz noch Hirn:
Es ist Martina, von den Mädchen keins.

 

Nicht schüchtern, wie’s dem kleinen Geist genehm,
nicht fügsam, wie die brave Frau sich gibt,
zu mutig, kritisch, offen, unbequem
und obendrein nicht hübsch und falsch geliebt.

Bei aller Kraft der Schmerz sich nicht vergisst,
den leiden muss noch jede Seltenheit
für eben das, was herrlich an ihr ist,
am ewig dumpfen Maß der Üblichkeit.

Doch weil kein Trug dem Recht sich wehren kann,
gleich morscher Mauer, die im Winde steht,
greift sie die uns're weiter stürmisch an,
bis auch der letzte Stein noch niedergeht.

Drum, wollte wer mich fragen,
wer wohl unter dem Gestirn
für alle Zeit die klare Nummer eins,
so würde ich ihm sagen,
zweifelnd nicht in Herz noch Hirn:
Es ist Martina, von den Mädchen keins.



Gerald Grundmann

© 2015 by Gerald Grundmann

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