​​NIKOLAUS UND OSTERHASE


Es war einmal und ist irgendwann
und kommt dereinst auf’s Neue dran
und muss vielleicht auch immer wieder kommen:
Das Leben lehrt uns alte Weisen
und tut es wohl auf neuen Reisen,
doch immer eingedenk, was unbenommen.

So ging der brave Nikolaus
hinüber in das Hasenhaus,
um das Gemüt des Freundes zu erkunden.
Er fand ihn völlig aufgelöst,
zerzaust und nervlich ganz entblößt,
bis dieser sich erklärte unumwunden:

„Ich komme einfach nicht zu Rande
und bringe Ostern nie zu Stande.
Ich bin ein ganz, ganz schlechter Osterhase.“
Da fiel sein Freund ihm tröstend ein:
„So ist das nicht, mitnichten, nein!
Nun wein’ doch nicht und putz’ dir mal die Nase.

Wie alle Hasen bist du schlau
und planst und denkst dir ganz genau,
das Glück jedoch folgt höheren Gewalten.
Und manchmal, wenn es dir nicht hold,
obwohl du alles gut gewollt,
da fühlst du ihre Kräfte umgestalten.“

Der Hase stutzt: „Du meinst am Ende,
dass selbst die scheinbar gröbste Wende
noch Sinn verfolgt auf höheres Bedrängen?“
„Vielleicht, vielleicht, mein altes Haus,
drum höre auf den Nikolaus
und lass dir Mut und Ohren nicht mehr hängen.“

„Wir gerne würd’ ich auf dich hören,
doch was denn, außer Gott beschwören,
kann ich noch tun, um Ostern schön zu feiern?
Das Wasser mir zum Halse steht,
die Uhr sich immer weiter dreht,
der Kopf ist wirr, die Pfoten schlapp und bleiern.“

„Beschwör' doch einen alten Freund,
denn stell dir vor, wenn wir vereint,
dann können wir noch mehr als Ostern retten.
Wir sind das Duo Infernale!
Drum hört, ihr Völker, die Signale!
Wir beide schaffen alles, woll’n wir wetten?“

Da war der Hase ganz beglückt
und hoppelte umher verzückt
und rief hinaus befreit und unbeschwerlich:
„Ich spür’s in meiner letzten Strähne,
das ist der beste aller Pläne.
Ich bin so froh, dass du mein Freund bist, ehrlich!“

Dann gingen sie behend’ zu Werke
und schufen mit vereinter Stärke
ein einzigartig’ Oster-Nik’laus-Feste.
Mit Weihnachtsglück auf grünem Rasen
und rot bemützten Osterhasen
und Goldlametta auf dem Frühlingsneste.

So ist es in der Tat gewesen.
Drum woll’n wir aus den Zeilen lesen
der reinen Wahrheit allerwahrstes Wahre:
Wer Liebe und Geschick lässt walten,
der muss sich nicht an Fristen halten
und schafft gerade so das Wunderbare.



Gerald Grundmann