WELLENREITEN


Mich lockte das vollkommene Versprechen,
auf deinem Rücken mit dir fortzuziehen:
Du würdest mit der Flut das Unglück brechen
und scheitelwärts zu neuen Ufern fliehen.

Und als du mich vom Land emporgetragen,
um erste Stücke schwungvoll vorzudringen,
da sah ich mich alsbald den Sprung schon wagen
und alte Sehnsucht lebhaft mir erringen:

Mein Geist, wie er aus innerer Vollendung
den zweifelsfreien Frieden sich begründet.
Mein Herz, wie es durch liebevolle Sendung,
die frei und reich geschenkt, sein Leben findet.

Doch kaum, dass volle Fahrt wir aufgenommen
und du zu ganzer Höhe dich errichtet,
schien alle Kraft am Ziel schon angekommen,
und meine Hoffnung war mit dir vernichtet.

Genug nicht, nur den Mangel zu verspüren,
vor dem ein jeder Tag und Schritt sich neiget.
Genug erst, ihn durch Ahnung aufzurühren,
die schmerzvoll meinen Abstand erst bezeuget.

Vom Glück ist mir mit dir nur Rausch geblieben:
Du treibst mich fort auf immer gleichen Boden,
ich lasse mich zum Himmel hoch betrüben
und jauchze hin zu immer neuen Toden.



Gerald Grundmann

© 2015 by Gerald Grundmann

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