WO WÜNSCHST DU DICH HIN


Verlassen von den gierig schönen Augen,
die mich verführt mit unverhoffter Ehrung,
applausgenährt, zu satter Selbstvermehrung,
zuletzt ganz unbemerkt mich auszulaugen.

Ein jedes hat sein gutes Recht genommen:
Wer mochte, konnte sich zur Probe setzen,
zum Glanze seine Gärung an mir wetzen,
bis ich auf meinen letzten Rest gekommen.

Und jetzt, da nicht ein einziger mehr hier,
gehöre ich, gehöre ich ganz dir,
verstummt und endlich glanzlos, wie ich bin.
Ist’s Wissen oder ist es blanker Wahn,
der deine Schritte zu mir treiben kann?
Gesteh’ es freilich: Wo wünschst du dich hin?

Entlassen aus den dumpfig blanken Blicken,
die mich verraten vor dem ersten Schritte,
verkauft, so wie ich stand in ihrer Mitte,
zuletzt noch unberührt mich fortzuschicken.

Doch jeder wusste etwas mitzugeben:
Ein Lied von Ruhm und Macht gemeiner Dichtung,
ein Beispiel, wie gerecht die eigne Richtung,
bis ich mich fand beladen überleben.

Und jetzt, da nicht ein einziger mehr hier,
gehöre ich, gehöre ich ganz dir,
verängstigt und erbärmlich, wie ich bin.
Ist’s Trauer oder ist es stolze Wut,
die Tränen dir emportreibt mit dem Blut?
Gesteh’ es freilich: Wo wünschst du dich hin?



Gerald Grundmann